Notare Dr. Martin Leiß und Lucas Wartenburger

Sind Notare wirklich so teuer

Notarielle Leistungen stehen häufig in dem Ruf, vergleichsweise teuer zu sein. Wir möchten Ihnen gerne zeigen, dass dies zu pauschal ist und dass es sich lohnt, bei der Vertragsgestaltung die Kosten im Blick zu haben.

Die Höhe der Notargebühren ergibt sich aus einem Gesetz, dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG), und ist für die allermeisten Sachverhalte festgelegt. An diese Gebührensätze ist ein Notar gebunden, d.h. er darf weder höhere noch niedrigere Gebühren erheben. In manchen Bereichen sieht das Gesetz jedoch Rahmengebühren vor und lässt dem Notar einen Spielraum. Dies gilt insbesondere für Beratungskosten und für die Anfertigung von Entwürfen, die später doch nicht beurkundet worden sind.

Allerdings richtet sich die Höhe dieser Gebühren nicht nach dem Arbeitsaufwand des Notars oder seiner Angestellten, sondern hauptsächlich nach dem Wert des beurkundeten Rechtsgeschäfts. So kostet beispielsweise ein hochkompliziertes und individuell angepasstes Testament mit zehn Druckseiten bei gleichem Vermögensstand ebenso viel wie eine einfache Erbeinsetzung in zwei Zeilen.

Die einfach gelagerten, aber mit einem hohen Wert verbundenen Verträge finanzieren so die komplizierten Verträge mit geringem Wert mit. Im Einzelfall kann dies tatsächlich zu im Vergleich zum Aufwand sehr hohen Kosten führen, während in anderen Fällen die Gebühren im Vergleich zum Aufwand sehr niedrig sind (worüber sich natürlich niemand beklagt). Manche bezweifeln, ob dieses System der Quersubventionierung gerecht oder zeitgemäß ist. Man findet vergleichbare Systeme jedoch auch bei vielen anderen Dienstleistern (Rechtsanwälte, Architekten, Steuerberater) und in vielen Teilen der Justiz (Gerichtskosten, Grundbuchkosten). Ohne dieses System wären öffentliche Leistungen, und dazu zählt auch die notarielle Beurkundung, für viele unerschwinglich.

Einige Beispiele aus der Praxis

Ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen zeigt, dass Sie beim Notar eine hochqualifizierte rechtliche Beratung und Gestaltung zu einem vernünftigen Preis bekommen. Einige Beispiele machen dies anschaulich:

  • Kaufvertrag über eine Immobilie zum Kaufpreis von 150.000 € (Vorbesprechung, Vertragsentwurf, Einarbeitung von Änderungswünschen, Beurkundung und Vollzug): Notarkosten ca. 1.400 € einschl. MwSt., also weniger als 1 % des Kaufpreises
  • Testament bei einem Reinvermögen von 40.000 € (Vorbesprechung, Entwurf, evtl. weitere Besprechung, Beurkundung): Notarkosten einschl. MwSt. ca. 200 €, also ca. 0,5 %
  • vollstreckbares Schuldanerkenntnis über 20.000 € (gleichwertig einem gerichtlichen Urteil): Notarkosten ca. 140 € einschl. MwSt.

Würden diese Vorgänge nicht über einen Notar abgewickelt, sondern (wie dies in anderen Staaten üblich ist) über Rechtsanwälte oder Gerichte, so wären die Kosten wesentlich höher; dies haben auch internationale Studien gezeigt.

Die genaue Berechnung der Kosten ist mitunter recht kompliziert. Je nach Lage des Einzelfalls können die Gebühren auch höher oder niedriger sein als in den obigen Beispielen. Bitte sprechen Sie uns an - Sie erhalten auf Wunsch im Vorfeld eine konkrete Auskunft über die für Ihr Anliegen zu erwartenden Kosten.

Gibt es Einsparmöglichkeiten?

Wie oben gezeigt, kann man mit dem Notar über die Höhe der Gebühren nicht "verhandeln", da diese gesetzlich festgeschrieben sind. Insbesondere ist es nach der Beurkundung regelmäßig zu spät, an den Kostne noch irgend etwas zu ändern. Wenn es zwei (gleichermaßen sichere) Wege gibt, die zum gleichen Ziel führen, ist der Notar von Haus aus verpflichtet, den kostengünstigeren Weg zu wählen. Evtl. gibt es aber darüber hinaus noch Möglichkeiten zur Kostenersparnis, zu der Sie selbst beitragen können.

Beispiele:

  • Mitunter entstehen beim Verkauf einer hochwertigen Immobilie hohe Kosten für die Löschung alter Grundpfandrechte. Sofern die betreffenden Darlehen aber schon zurückgezahlt sind, kann es möglich und kostengünstig sein, wenn Sie als Verkäufer die Löschungsunterlagen schon vor dem Kaufvertragsabschluss bei Ihrer Bank besorgen.
  • Enorme Zusatzkosten entsehen oft durch die Einräumung von Vorkaufsrechten, Wiederkaufsrechten u. dgl. Es lohnt sich also darüber nachzudenken, ob diese Rechte wirklich nötig sind oder eher "nice to have".
  • Wenn Sie Texte zur Verwendung im Ausland benötigen (Vollmachten etc.), zu denen nur eine notarielle Unterschriftsbeglaubigung benötigt wird, dann sollten diese regelmäßig von demjenigen angefertigt werden, der später im Ausland damit befasst ist (also z.B. vom dortigen Notar oder Rechtsanwalt). Dies stellt sicher, dass der Text im Ausland auch funktioniert und spart (jedenfalls in Deutschland) Kosten.
  • Die Anfertigung von nicht beurkundungspflichtigen Gesellschafterbeschlüssen einer GmbH (z.B. Bestellung oder Abberufung eines Geschäftsfühers, Auflösung der Gesellschaft) kostet bei uns regelmäßig 250 € zzgl. MwSt. Diese Kosten könnten deutlich reduziert werden, wenn Sie die Beschlüsse mitbringen und wir nur die Anmeldung entwerfen. Dieser Spartipp ist allerdings mit Vorsicht zu genießen - ohne professionelle Hilfe gefertigte Beschlüsse führen häufig im Registerverfahren zu Schwierigkeiten. Der Notar muss dann nachbessern, so dass am Ende doch keine Kosten gespart werden und Sie obendrein Zeit verlieren. Wenn Sie aber einen kundigen Berater an der Hand haben, der die Texte günstiger entwirft (was im Einzelfall zu erfragen ist) oder wenn Ihnen aus einem früheren Vorgang der Text schon vorliegt, könnte dies für Sie interessant sein. Weniger sinnvoll ist es übrigens, wenn Sie die Entwürfe der Registeranmeldungen anderweitig fertigen lassen. Das Fehlerpotential ist groß, die Kostenersparnis gering, zum Teil sind die Notarkosten erstaunlicherweise sogar niedriger, wenn der Notar den Entwurf selbst gefertigt hat.
  • Schließlich der wichtiste Spartipp von allen: Denken Sie genau nach, bevor Sie die Urkunde unterschreiben. Eine Änderung der Vertragsentwürfe vor der Beurkundung (auch wenn es mehrere "Runden" gibt, kostet Sie allenfalls ein paar Euro Kopierkosten; spätere Nachtragsurkunden oder gar Aufhebungsverträge sind dagegen sehr kostspielig und in aller Regel vermeidbar.